Diesen Satz höre ich im Gespräch mit Unternehmern und Führungskräften immer wieder. Er fällt zwischenduch. Etwas Wehmut schwingt mit, bevor das Thema gewechselt wird. Ich habe den Eindruck, als ob sich Unternehmer und Führungskräfte unsicher sind, ob man das laut sagen darf.
Man darf.
Wachstum ist ein gutes Zeichen und Bestätigung, dass das Unternehmen vieles richtig gemacht hat. Mehr Umsatz. Mehr Menschen. Mehr Möglichkeiten. Was selten ausgesprochen wird ist dass Umsatz nicht gleichzusetzen ist mit mehr Gewinn. Und mehr Menschen bedeuten nicht automatisch mehr Leistung.
Was früher auf Zuruf funktioniert hat, benötigt heute Meetings, die schrittweise Überhand nehmen und sich das Gefühl einstellt, dass heute jede Entscheidung eine halbe Ewigkeit in Anspruch nimmt. Irgendwann kennt man nicht jeden mehr beim Namen. Mit einem wachsenden Team beginnen Menschen sich auf andere zu verlassen - und andere auf andere. Verantwortung die früher klar war wird zur Grauzone und zur Frage wer sie eigentlich trägt. Und mit jedem neuen Menschen der dazukommt steigen nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Verpflichtungen.
Das Unbehagen das dabei entsteht ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Signal. Ein Signal das aus einer Organisation kommt die für die meisten – einschließlich ihrer eigenen Führung – eine Black Box geblieben ist. Einem System in dem wie aus Geisterhand Dinge entstehen, passieren und verschwinden. Ohne dass jemand genau sagen kann warum.
Dazu kommt die Herausforderung die kaum jemand offen ausspricht: der Moment wo man als Unternehmer die Zügel lockern muss. Der eigene Wille spielt dabei eine untergeordnete Rolle - es ist das System, das es verlangt. Weil man schlichtweg nicht mehr alles überblicken kann und der Versuch es trotzdem zu tun den Druck erzeugt, durch den die Nacht zum Tag wird.
Der Druck den Laden am Laufen zu halten.
Die meisten interpretieren dieses Unbehagen falsch. Sie arbeiten mehr, kommunizieren mehr und kontrollieren mehr. Das Unbehagen bleibt. Es liegt nicht an den Menschen, sondern daran wie die Organisation gewachsen ist.
Wachstum ohne bewusste Gestaltung ist wie ein Haus an dem immer weitergebaut wird ohne dass jemand auf das Gesamtkonzept oder den Grundriss schaut. Irgendwann passt nichts mehr zusammen.
Was hat sich in deinem Unternehmen durch Wachstum verändert und wann hast du es zum ersten Mal gespürt?
Dieser Beitrag ist im Original auf LinkedIn erschienen.




