Die Zukunftfähigkeit ist kein Zufall, sondern eine Designentscheidung - Teil 2: Merkmale zukunftsfähiger Organisationen
Organisationen scheitern selten an fehlendem Willen, sondern an tief verwurzelten Mustern, die für sie so selbstverständlich geworden sind wie für Fische das Wasser.
Diese Muster zu erkennen kann herausfordernd sein. In Teil 1 haben wir unter die Lupe genommen welche Mythen ihr Unwesen treiben und warum Veränderungsinitiativen oft an der falschen Stelle ansetzen.
In diesem Teil fokussieren wir uns auf die Merkmale von Organisationen die bereits anders funktionieren. Was diese Organisationen auszeichnet - und wie sie diese Merkmale entstehen.
Die Architektur zukunftsfähiger Organisationen
Zukunftsfähige Organisationen zeichnen sich durch Merkmale aus, die sie von anderen unterscheiden.
Diejenigen, die ich hier anführe, stehen exemplarisch für eine Reihe weiterer. Es sind jene, die ich in meiner Arbeit als ausschlaggebend erlebe.
Sie kennen ihren Möglichkeitsraum und erweitern schrittweise dessen Grenzen.
Zukunftsfähige Organisationen wissen welche Möglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen - und welche nicht. Sie kennen die Grenzen ihres Möglichkeitsraums, die durch vergangene Entscheidungen geprägt wurden, und arbeiten kontinuierlich daran diese schrittweise zu erweitern. Sie handeln bevor sie dazu gezwungen werden. Sie verfügen über die Fähigkeit relevante Informationen aus ihrer relevanten Umwelt herauszufiltern und zu verarbeiten, wodurch sie Weitsicht als organisatorische Kompetenz laufend trainieren.
Sie verstehen wie Arbeit und Wertschöpfung in ihrem System wirklich funktionieren.
Sie wissen wer die eigentlichen Know-How-Träger sind, wie Wertschöpfung erfolgt und wo Energie im System verloren geht. Zudem stopfen sie nicht mehr Arbeit in ihre Struktur als sie vertragen kann. Das klingt logisch - in der Realität kommt es leider selten vor.
Sie gestalten das Gesamtsystem - mit Augenmerk auf Koordination.
Organisatorische Leistungsfähigkeit wird nicht durch die Leistungsfähigkeit einzelner Teile bestimmt, sondern wie sie aufeinander abgestimmt sind und wie sie zusammenspielen. Zukunftsfähige Organisationen gestalten bewusst wie Arbeit durch das System fließt, wo und wie Entscheidungen getroffen und wie Informationen weitergegeben werden. Weil sich Menschen immer gemäß den Rahmenbedingungen verhalten, die sie vorfinden, entsteht eine Unternehmenskultur als natürliche Konsequenz dieses Designs.
Sie sind lernfähig und anpassungsfähig.
Und dadurch in der Lage auf Veränderungen dynamisch zu reagieren. Sie verfügen über eine Organisationsarchitektur, die Veränderungen absorbieren kann ohne das System zu destabilisieren. Sie lernen aus früheren Fehlern und aus Signalen, die andere in der Informationsflut übersehen. Sie passen sich an, bevor sie dazu gezwungen werden. Mit Komplexität und Dynamik umzugehen ist für sie kein Ausnahmezustand, sondern gelebte Praxis.
Zukunftsfähige Organisationen sind das Ergebnis bewusster Gestaltung
Die meisten Organisationen sind ein Zufallsprodukt. Sie sind das Ergebnis von Entwicklungszyklen, Krisen, Persönlichkeiten und Kompromissen.
Es ist eine Beobachtung und ein Grund, warum so viele Organisationen Schwierigkeiten haben sich zu verändern.
Zukunftsfähige Organisationen gehen einen anderen Weg. Sie sind das Ergebnis bewusster Entscheidungen - über Entscheidungslogiken, Verantwortlichkeiten, wie Arbeit skaliert wird und wie sie durch das System fließt. Das Ergebnis dieses Prozesses spiegelt sich in der Organisationsarchitektur wider.
Der Gestaltungsprozess ist kein einmaliges Projekt, sondern eine wiederkehrende Führungsaufgabe. Durch das Verständnis über die Organisation selbst werden zielgerichtete Anpassungen vorgenommen, ohne das Gesamtsystem aus seinem dynamischen Gleichgewicht zu bringen. Dadurch wird das System mit der Zeit lernfähiger, anpassungsfähiger und zukunftsfähiger.
Bewusste Organisationsgestaltung beginnt nicht mit der Lösung (meistens in Form des Organigramms) im Kopf. Sie beginnt mit zwei Fragen: Welche Zukunft soll ermöglicht werden? Wie funktioniert heute das System? Aus dem Spannungsfeld zwischen Zukunft und Realität zeichnet sich der Weg ab und welche Schritte für die Erreichung des Zielbilds erforderlich sind.
Dieser Logik folgt Vector³ - ein co-kreatives Diagnose- und Gestaltungsformat das Organisationen anhand von 7 Subsystemen analysiert. Es beginnt mit dem Zielbild, blickt dann auf die Realität und macht die Gaps sichtbar aus denen die Maßnahmenarchitektur entsteht. Co-kreativ, weil Zukunft und Organisation Themen sind, die alle etwas angehen.
Organisationsgestaltung und Organisationsentwicklung sind keine Synonyme, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Der Fokus von Organisationsgestaltung liegt auf dem System. Jener von Organisationsentwicklung auf dem Verhalten von Menschen im System. Wer nur an der Architektur arbeitet ohne die Bedürfnisse der Menschen mitzudenken, baut auf wackeligem Terrain. Wer nur am Verhalten arbeitet ohne die Rahmenbedingungen zu verändern, kämpft gegen das System und wird den Kampf verlieren.
Beides zusammen ist für mich erfolgsversprechende, bewusste und zukunftsorientierte Organisationsgestaltung.
Gestalte deine Organisation bevor die Zukunft dich links überholt
Exponentielle Entwicklungen treten gefühlt über Nacht in Erscheinung. Unternehmen fühlen sich dadurch unter Druck gesetzt auf den fahrenden Zug aufzuspringen – ohne zu wissen wie die Strecke aussieht und wo er hinfährt.
Ohne sich davor die wesentlichen Fragen gestellt zu haben: Ist diese Entwicklung relevant für unser Unternehmen? Welche Möglichkeiten können sich daraus ergeben - und welche Risiken gehen damit einher? Wie kann diese Entwicklung Mehrwert für unsere Organisation schaffen?
Die Voraussetzung für die Beantwortung dieser Fragen liegt darin zu verstehen wie das eigene System funktioniert. Wer das nicht tut, digitalisiert Unklarheit und automatisiert Ineffizienz.
Wer damit beginnt seine Organisation bewusst zu gestalten, erweitert schrittweise die Grenzen seines Möglichkeitsraums und behält die Freiheit zu entscheiden welcher Zug es wert ist aufzuspringen und welcher nicht.
Zukunftsfähigkeit bedeutet nicht jedem Trend blind hinterherzulaufen.
Kommt die Erkenntnis zu spät, wird es anstrengend dem fahrenden Zug hinterherzulaufen. Die Zukunft fragt weder um Erlaubnis, noch wartet sie darauf dass alle an Bord sind.
Zukunftsfähigkeit ist eine Designentscheidung.
Wenn du das Gefühl hast, dass in deiner Organisation mehr Potenzial steckt - lass uns sprechen.




